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Die PreisverleihungDr. Volker Bandelow"Mut-Proben" ist - wie gesagt - der vierte Initiativen-Preis und die Jury - hier danke ich besonders Frau Dr. Bürgermeister vom Jugendfilmclub, Frau Heuvelmann von der RAA Solingen, Herrn Cremer vom Ministerium und Herrn Prof. Dr. Rauschenbach, der gleich noch einige Worte an Sie richten wird - hatte es besonders schwer, aus den mehr als 40 Anmeldungen die "Preiswürdigsten" - ich sage bewusst "Preiswürdigsten", denn jeder hätte einen Preis verdient - auszuwählen.
Die Schwierigkeit gegenüber den drei früheren Themen ergibt sich daraus, dass damals
das Augenmerk auf eine Initiativen-Arbeit war, die innerhalb eines allgemeingültigen
Koordinatensystems vergleichsweise klar zu definieren und somit auch bewertbar war.
Aber was aber ist demgegenüber "Mut"?"Mut" ist relativ in zweierlei Hinsicht: Zum einen ist "Mut" etwas höchst Individuelles. Wir alle wissen: Was von dem einen "Mut" erfordert, ist für den anderen Alltag oder Normalität. Gerade auch in der Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen gibt es viele Momente, die individuellen Mut erfordern - Mut, sich in neue Situationen zu begeben, Mut, etwas auszuprobieren. Dabei hat Mut immer etwas mit "Selbstüberwindung" zu tun! Von daher kann nicht wirklich objektiv - objektiv im Sinne von "preisbewertend" - gemessen werden, wie groß eine Mut-Probe war. Dies gerade angesichts von sehr vielen eingereichten Projekte, die auf die Angstüberwindung und Ich-Stärkung abzielten - sei es in der Kulturpädagogik, der Suchtprävention oder der Anti-Gewalt-Arbeit. Zum anderen ist "Mut" an sich noch keine positive und damit preiswürdige Größe:>br> Auch ein Selbstmordattentäter, der viel Leid über unschuldige Menschen bringt, braucht für seine Tat "Mut" und auch der Jung-Neonazi braucht individuell "Mut", wenn er in einem demokratisch gesinnten Klassenverband rechtsradikale Positionen vertritt. Selbst der von uns als Beispiel abgedruckte Textauszug aus Harry Potter "Der Stein der Weisen" wird nur dann eindeutig, wenn man weiß, dass sich Mr. Longbottem mit einem im kulturellen Kontext positiv besetzten Vorschlag gegen seine Freunde stellt und damit Mut bewiesen hat. Eigentlich - und hier muss man vorsichtig sein - wird somit nicht der individuelle Mut, sondern das offensive Vertreten einer gesellschaftlich positiv bewerteten Position ungeachtet eines möglichen eigenen Schadens prämiert. (zur kompletten Rede) Frau Ministerin Birgit Fischer Preise sind einerseits eine Anerkennung und zugleich geben sie wichtige Anregungen und Impulse. Dies gilt auch für den Jugendkulturpreis, den Jugendmedienpreis, den Jugendfotopreis und anderes mehr. Der Initiativenpreis hingegen ist etwas Besonderes, eine Art Auslobung, um Aktivitäten und Initiativen hervorzuheben, die unverzichtbar sind, aber oft nur unzureichend öffentlich wahrgenommen werden.
Die Beiträge widerlegen auch die immer wieder auftretenden Vorurteile, junge Menschen seien
desinteressiert, nicht an gesellschaftlichen Entwicklungen beteiligt oder gar unpolitisch.
Unsere Arbeit, die durchgeführte Untersuchung des MFJFG, aber erst recht die heutigen Beiträge
zeigen deutlich: Es gibt eine große Bereitschaft zum Engagement und wohlverstandener
Parteilichkeit. Die Initiativen nehmen Belange von Kindern und Jugendlichen, die unter
offenen und heimlichen Diskriminierungen leiden auf und wirken als Sprachrohr und damit
als Anwalt dieser Kinder.Gerade das Internationale Jahr der Freiwilligen ist geeignet auf dieses Engagement hinzuweisen. "Mut proben" heißt deshalb zugleich auch "Flagge zeigen". Es heißt, Benachteiligungen, Diskriminierungen und Ungerechtigkeiten nicht zuzulassen. Sie haben mit unterschiedlichen Ansätzen diese Arbeit geleistet. (zur kompletten Rede) Prof. Dr. Thomas Rauschenbach Mit dem auch in Deutschland hoch geehrten Sozialphilosophen und intellektuellen Vordenker Jürgen Habermas könnte man sagen, dass zumindest drei Dinge für den Erhalt unserer Lebenswelt, für das Funktionieren unseres Gemeinwesens und das Aufwachsen der nachwachsenden Generation gleich wichtig sind:
Da geht es erstens zunächst unbestreitbar um die Aufgabe der Wissensvermittlung im Sinne
der Aneignung des kulturellen Erbes;genauso wichtig ist aber zweitens eine gelingende soziale Integration, also die Aufgabe moderner Gesellschaften, heranwachsende und fremde Menschen in die bestehende Gesellschaft zu integrieren schließlich besteht drittens die Aufgabe der Heranbildung ich-starker Persönlichkeiten, also die Entwicklung von jungen Menschen, die gelernt haben, für sich eine Balance zu schaffen zwischen den Erwartungen "zu sein wie jeder andere" und dem Bedürfnis "zu sein wie kein anderer". Zumindest die beiden letzten Aufgaben sind nun aber nicht damit zu erreichen, in dem man die Schule schulischer und das Lernen leistungsorientierter macht. Viel entscheidender ist, dass wir Wege finden bzw. bereits gefundene Wege ausbauen, in denen sich Kinder und Jugendliche in ihren Gegebenheiten und mit ihren Möglichkeiten realisieren können, in denen sie erproben können, andere Wege zu gehen, in denen sie ermuntert werden, Neues zu erproben, innovativ zu sein. Denn: Innovation erfordert Mut, setzt voraus, dass man nicht nur den sicheren Weg geht, dass man nach vorne blickt, ohne in jeder Hinsicht bereits das Licht am anderen Ende des Tunnels zu sehen. (zur kompletten Rede) |