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Die Preisträger
In Nordrhein-Westfalen haben wir ein außerordentlich positives Klima, was das Aufwachsen
von Kindern unterschiedlicher Kulturen angeht. Es gibt viele positive Beispiele, wie
Diskriminierung verhindert, Gewaltprävention wirksam sein kann und wie Rechtsextremismus
abzubauen ist.Dennoch - und darüber können und dürfen wir nicht hinwegschauen - gibt es auch andere Entwicklungen. Es gibt Diskriminierungen von Andersdenkenden, Ressentiments und Feindlichkeit gegenüber Kindern und Jugendlichen aus anderen Kulturen, geschlechtsbezogene Diskrimierungen und natürlich gewaltförmiges Verhalten. Um wirksam dagegen anzugehen, reicht es nicht aus, uns auf die Schule allein zu verlassen oder die Gesamtverantwortung der Familie anzulasten. Es bedarf vieler ineinander greifender Anstrengungen im gesamten sozialen Umfeld. Hier helfen Initiativen, wie solche, die heute zur Preisverleihung anstehen und auch diejenigen, die zwar heute keinen Preis erhalten, aber ebenfalls eine wichtige Aufgabe übernommen haben. Ministerin Birgit Fischer 1. PreisDer 1. Preis geht an ein Teilprojekt einer größeren Initiative: Die Ruhrwerkstatt existiert schon seit 1977 und ist eine feste Stütze im Gebäude der nordrhein-westfälischen Initiativen.
Ihre pädagogische Arbeit mit und für Kinder und Jugendliche, die Kultur- und Bildungsangebote
für Erwachsene, medizinische und soziale Versorgungsdienste für ältere und kranke Mitbürger,
die Stadtteilarbeit und die Projekte für und mit Langzeitarbeitslosen sind Vorbilder für
viele Initiativen gewesen.Heute geht der Preis aber nicht an ihre gesamte Arbeit, sondern an jene Kinder und Teenies, die in den letzten drei Jahren in den Projekten "Helden in Not" und "Gewalt an's Licht" viele unterschiedliche Mutproben zu bestehen hatten. Sie alle hier aufzuführen würde den Rahmen sprengen. Die Jury überzeugt hat letztlich der Mut, den einzelne Mädchen und Jungen gezeigt haben, als sie - nach entsprechenden pädagogischen Angeboten durch die Ruhrwerkstatt - offensiv und selbstkritisch von einem eingeschlagenen Weg der Gewalt (hier kann man eingeschlagen wörtlich nehmen) abgewichen sind und dies auch noch offensiv und als vorbildhaft für andere vertreten haben. Dieser Mut ist aller Achtung wert! Dr. Volker Bandelow 2. PreisFür die Trägerinnen des zweiten Preises war in der Jury schnell Einigkeit.
Wenn es schon für erwachsene Menschen großen Mut erfordert, sich zu homosexueller Sexualität
zu bekennen, um wie viel schwieriger ist dies für Heranwachsende mit ihren sowieso
pubertätsbedingten Problemen der Ich-Findung und Selbstzweifeln. Und wenn das Coming-out
dann noch im ländlichen Raum erfolgen muss, ist dies als "verschärfte Bedingungen" zu
bezeichnen.Wenn die jungen Frauen das dann aber auch noch in einem Videofilm öffentlich zeigen mit dem Ziel, anderen Menschen Mut zu machen, zu sich selbst zu stehen, dann ist dies unbedingt preiswürdig. Daher geht der zweite Preis an die Junglesbengruppe "No limits" von "femina vita, Mädchenhaus Herford e.V.". Dr. Volker Bandelow Die Jury hat den 3. Preis geteilt zwischen einer Initiative, die eher dem Bereich "individueller Mut und Angstüberwindung" zuzuordnen ist und einer Initiative, die Mut beim offensiven öffentlichen Eintreten für gesellschaftliche Positionen gezeigt hat: 3. PreisEs gibt immer Situationen, in denen Mitglieder einer Fußball-Fan-Initiative Mut zeigen müssen;
spätestens wenn man nach einer Niederlage nicht Gleichgesinnten - z.B. im
Klassenverband - gegenübertreten muss. Oder stellen Sie sich einmal mit einem Schalke-Schal
in einen Dortmund-Fanblock. Schlagartig werden Sie schnell erleben, was das Lexikon unter
"Mut der Verzweiflung" versteht.Doch werden die Mitglieder der Schalker Fan-Initiative gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit (Gelsenkirchen) nicht dafür ausgezeichnet. Der Preis geht an sie, weil sie sich - ganz im Sinne unseres Zitats aus "Harry Potter" - ihren eigenen Freunden und Mitfans dann entgegen stellen, wenn diese ausländerfeindliche und rassistische Parolen rufen oder anders sich antidemokratisch verhalten. Und diese Notwendigkeit ist leider immer wieder gegeben. Dr. Volker Bandelow 3. PreisDer Mut, den die 13 jungen Aussiedlerinnen in der Mädchengruppe der RAA Bielefeld gezeigt haben, ist nur vordergründig ein individueller. Die Jury hat Ihnen den Preis zugedacht,
weil sie den schon individuell mutigen Schritt von Kasachstan und Russland in die fremde
Kultur Deutschlands, (die ja mit der in der alten Heimat als "deutschen Kultur" gelernten
Kultur herzlich wenig zu tun hat) dazu genutzt haben, sich offensiv nicht nur mit sich
selbst als Heranwachsende, sondern auch mit der neuen Gesellschaft in der sie jetzt leben,
mit Rassismus und Sorgen der Dritten Welt, mit Kriminalität und Mediengesellschaft
auseinander gesetzt haben. Viele einzelne Schritte, die sie im "Dienstagebuch" festgehalten
haben, erfordern jenen individuellen Mut, der auch in anderen Projekten auszeichnungswürdig
gewesen wäre. Die Jury hat dieses Projekt als Beispiel gewählt, weil solch ein sinnvolles
Modell einer "Integrationsarbeit" stärker publiziert werden sollte.Dr. Volker Bandelow |